Profil und Leitbild



Praxisnahe Berufsbildung ist für die Forschungsgruppe nicht nur Titel, sondern programmatische Bezeichnung für das Selbstverständnis und die Einordnung der Arbeit.

Die Arbeit der Forschungsgruppe ist dadurch gekennzeichnet, über den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis hinaus den Kooperations- und unmittelbaren Arbeitszusammenhang mit den Akteuren an der Basis zu suchen. Die langjährigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zeigen, dass eine Veränderung in der Ausbildungspraxis nur dann gelingen und vor allem nachhaltig wirken kann, wenn die Handlungsmaximen auch von den Betroffenen vor Ort getragen und als eigene Interessen verstanden werden. Dies impliziert eine Vorgehensweise, die die Maximen, Erkenntnisse und Perspektiven der Wissenschaft in kleinschrittige, »alltagstaugliche« und prozessorientierte Strategien übersetzt. Darüber hinaus bietet eine solche Anbindung an die Praxis ein Korrektiv, das für die Frage der Umsetzung wissenschaftlicher Prämissen im Sinne einer Evaluation für die Reflexion und der kritischen Öffnung notwendig erscheint.

Unser Leitbild geht davon aus, dass Berufsbildung in Wissenschaft und Forschung einer genuinen theoretischen Position verpflichtet ist, in der Wert- und Normorientierungen begründet sind, die u.a. reflexiv Kritik an Praxis ermöglichen. Das Wechselverhältnis von Arbeit, Technik und Bildung beschreibt in diesem Zusammenhang im wesentlichen eine phänomenologische gesellschaftstheoretische Dimension, deren Bedeutung für die Auseinandersetzung über die Praxis beruflicher Bildung erst noch expliziert werden muss. Für unsere Arbeit ist leitend, auch und gerade für berufliche Bildung den emanzipatorischen Gehalt von Bildung im Sinne der Persönlichkeitsbildung nicht nur als Zielperspektive theoretisch zu reklamieren, sondern in seinen materialen praktischen Ausgestaltung zu befördern.

Praxisnahe Berufsbildung versteht sich daher als eine Annäherung an ein klassisches Paradoxon: Wissenschaft ist schon immer praktisch; Theorie ohne Praxis ist nicht denkbar. Aber die Praxis der Theorie meint dabei erst einmal die Praxis der Wissenschaft, nicht die der gesellschaftlich tatsächlichen Praxis beruflicher Bildung. In beiden Praxisfeldern spiegelt sich gesellschaftliche Arbeit und Arbeitsteilung wider, die im Sinne eines gemeinsamen Theorie-Praxis-Verhältnisses zumindest dem Anspruch nach gegeben ist. »Praxisnah« in unserem Verständnis geht zwar von diesen Trennungen aus, versucht aber, den Anspruch des gemeinsamen Theorie-Praxis-Verhältnisses wirksam werden zu lassen.

(wf)